Die bayerische Biergartenkultur gibt es also seit über 200 Jahren, die Biergärten selbst entstanden allerdings bereits um einiges früher. Dass man das Gelände über den Biergellern mit Rosskastanien bepflanzte, hing mit der bayerischen Brauordnung zusammen. Darin war nämlich bereits im 16. Jahrhunderts festgelegt worden, dass das Bierbrauen nur in den kälteren erlaubt war. Nicht nur brauchte man für das Brauen des untergärigen Bieres niedrigere Temperaturen. Vor allem bestand aber wegen der heißen Siedekessel erhöhte Brandgefahr, der man durch das sommerliche Brauverbot vorbeugen wollte.                                                                             

Deshalb setzten die Braumeister im Frühling stets ein etwas länger haltbares Märzenbier an, das über den Sommer im Bierkeller gelagert – und im Laufe der Sommermonate auch ausgeschenkt werden konnte. Und damit der Bierkeller schön kühl blieb, pflanzte man darauf Rosskastanien. Mit ihren großblättrigen Ästen spendeten die Bäume im Sommer dichten Schatten und halfen so mit, die Temperatur im Bierkeller niedrig zu halten. Kastanien wählte man auch wegen ihrer Wurzeln, die nicht tief ins Erdreich dringen und so das Kellergewölbe nicht beschädigen. Der Schatten gefiel nicht nur dem Bier, sondern auch der Kundschaft des Bierkellerwirts, die die Kühlung in der sommerlichen Hitze auf einfachen Bänken und Tischen unter den Bäumen und beim kühlen Bier genießen konnte.

In München liegen die ältesten Bierkeller und -gärten in der Nähe der Isar, die durch die Stadt fließt. Von den ursprünglichen Kellerbiergärten sind heute allerdings nur noch drei erhalten: der Augustinerkeller unweit des Münchener Hauptbahnhofes, der Paulanerkeller am Nockherberg im Stadtteil Au sowie der Hofbräukeller im Stadteil Haidhausen oberhalb der Isar. Darüber hinaus gibt es in der Stadt selbst wie auch in der Umgebung eine Vielzahl kleinerer und größerer Biergärten und Klosterbrauereien, die in den schönen Jahreszeiten beliebte Ausflugsziele sind.


Zum Teil sind die Biergärten, die sich nicht direkt am Bierkeller befinden, während der Biedermeierzeit entstanden. Mit dem Bau großer öffentlicher Gärten und Parks wurden damals auch viele neue Gastwirtschaften mit einem Gastgarten gegründet, für die sich der Sammelbegriff Biergarten durchsetzte. So werden heute allerlei Restaurants und Schänke im Freien nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland und auch über die Landesgrenzen hinaus als Biergarten bezeichnet.

Auch das bayerische Gewerberecht wurde bereits 1825, nur einige Jahre nach dem Erlassen der Biergartenverordnung liberalisiert, so dass auch die Biergärten nun Speisen anbieten durften. Dennoch blieb die „Picknick-Kultur“ im Biergarten vor allem rund um München und in Oberbayern sowie in Bierfranken bis heute erhalten. Oft haben vor allem größere Biergärten zwei getrennte Bereiche, in einem wird der Gast bedient und in dem andere kann er Selbstmitgebrachtes verzehren und sich neben Bier nach Bedarf auch Brotzeiten und Speisen abholen.