Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand die Tradition, den bayerischen Kurfürsten jährlich Anfang April zum Starkbieranstich einzuladen und ihm den ersten Krug mit frischem Doppelbockbier auszuschenken. Diese Tradition blieb auch im 19. Jahrhundert erhalten. Nachdem das Paulanerkloster in der Säkularisation enteignet wurde, verpachtete das Wittelsbacher Königshaus die Brauerei an den Braumeister Franz Xaver Zacherl, der das Starbierfesttradition weiterleben lies.

Ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Starkbierfest noch ausgebaut. Um höheren Umsatz zu erzielen, ließ man zunächst Volksschauspieler und -sänger auftreten, und gegen Ende des Jahrhunderts kam die Salvatorrede dazu, in der das Fest eröffnet wurde und die Festgäste begrüßt wurden. Diese Begrüßungsrede geht auf einen in vielen bayerischen Wirtshäusern traditionelle, etwas scharfzüngige Art zurück, in der der Wirt seine Stammgäste willkommen hieß. Und wenn er selbst nicht sehr wortgewandt war, ließ er sich durch einen besseren Redner vertreten. Im späten 20. Jahrhundert hat sich der Charakter der Salvatorrede in Richtung einer Fastenpredigt entwickelt, in der der Festredner in der Rolle des "Bruder Barnabas" – oder heute: der "Mama Bavaria" – den Gästen aus der politischen Prominenz ihre Fehler und Versäumnisse auflistet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, Anfang der 1950er Jahre kam zu der traditionellen Salvatorrede noch das kabarettistische Programm hinzu, für das der Starkbieranstich auf dem Nockherberg heute bekannt ist. Außer in der Festrede des Salvatorredners wird das eingeladene politische Prominenz auch in einem Singspiel „derbleckt“: In einem politischen Kabarettprogramm wird die aktuelle Landes- und Bundespolitik auf die Schippe genommen.

Nockherberg als Veranstaltungsort des Salvatorfestes

Zum Veranstaltungsort des Salvatorfestes wurde der Nockherberg im Münchener Stadtteil Au, der heute als Synonym für das Paulaner-Starkbierfest gilt, erst in den frühen 1860er Jahren. Zuvor wurde die Feier in anderen Gaststätten – auch in der Au – veranstaltet. Erst als der Münchener Bankier, Georg Nockher, seine Sommerresidenz auf dem Nockherberg an die Paulaner-Brauerei verkaufte, wurde der Starkbieranstich dorthin verlegt. Und im Laufe der Jahrzehnte bekam das Starkbierfest eine so große Bedeutung, dass der ursprünglich verwendete Name Zacherl-Keller bis in die 1920er Jahre in Salvator-Keller umbenannt wurde.

Vom ursprünglichen Wirtshaus oder Bierkeller steht heute allerdings so gut wie nichts mehr auf dem Nockherberg. Bereits 1903/1904 wurde die alte Gastwirtschaft „Zum Nockhergarten“ abgerissen, das im ehemaligen Nockherschlösschen des Bankiers errichtet worden war. Der Braukeller mit seinen massiven Gewölben wiederum wurde bei einem Bombenangriff im April 1944 vollständig zerstört. Erst im Jahr 1950 konnte die Gaststätte wiedereröffnet werden. Aber auch diese Gastwirtschaft existiert heute nicht mehr: Sie wurde durch eine Brandstiftung im November 1999 fast gänzlich zerstört. So findet das traditionelle Starkbierfest der Paulanerbrauerei heute in einem 2003 neuaufgebauten Paulaner Festsaal statt, nur ein Raum im Gewölbekeller des Wirtshauses am Nockherberg trägt noch den Namen "Salvatorkeller".

Heute beginnt das Starkbierfest jedes Jahr während der Fastenzeit um den Heiligen Josefi (19. März) und dauert gute zwei Wochen. Das traditionsreichste Fest mit dem Salvatorprogramm – Festrede und Singspiel – findet stets zum Starkbieranstich auf dem Nockherberg satt, aber auch alle anderen Bierkeller und -brauereien haben ihre eigenen Starkbierfest, die mit Musik und unterschiedlichem Programm begangen werden.